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Bis zu 66 Prozent weniger Wildtier-Unfälle

Für mehr Verkehrssicherheit und gegen Tierleid: Franz Zenz (Leiter Straßenerhaltungsdienst), Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof-Saurau, Anton Lang (Tierschutz-, und Verkehrslandesrat), Barbara Fiala-Köck (Tierschutzombudsfrau) und Wolfgang Steiner (Projektleiter, BOKU Wien) (v.l.) © Land Steiermark
Für mehr Verkehrssicherheit und gegen Tierleid: Franz Zenz (Leiter Straßenerhaltungsdienst), Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof-Saurau, Anton Lang (Tierschutz-, und Verkehrslandesrat), Barbara Fiala-Köck (Tierschutzombudsfrau) und Wolfgang Steiner (Projektleiter, BOKU Wien) (v.l.)
© Land Steiermark

Bis zu 66 Prozent weniger Wildtier-Unfälle! Die nachhaltige Reduktion der Wildunfallzahlen und eine erhöhte Verkehrssicherheit für Mensch und Tier ist das Ziel dieses im Jahr 2014 initiierten Projekts. „Jetzt liegt erstmals ein Zwischenbericht mit konkreten Zahlen und Fakten auf", freut sich der für Verkehr und Tierschutz zuständige Landesrat Anton Lang.

Laut Jagdstatistik sterben jährlich fast 100.000 Wildtiere durch Wildunfälle auf Österreichs Straßen. Neben vielen anderen Wildarten werden dabei auf steirischen Landes- und Gemeindestraßen jährlich mehr als 7.000 Unfälle mit Rehen verzeichnet. „Vor allem bei Unfällen mit größeren Wildtieren ergeben sich dabei schwere Sach- und Personenschäden, der Verlust von oftmals geschützten Wildarten und unnötiges Tierleid sind die Folge", berichtet Lang.

Laut Information mehrerer österreichischer Versicherungsträger ist ein durchschnittlicher Pkw-Schaden bei einem Wildunfall mit ca. 1.600 Euro zu bemessen. Nur für Unfälle mit Rehwild ergibt sich so für Österreich bereits eine Schadenssumme von etwa 60 Millionen Euro. „Der jährliche volkswirtschaftliche Schaden durch Wildunfälle wird auf über 160 Millionen Euro geschätzt. Hauptgründe für steigende Wildunfallzahlen sind die Einengung und Zerstückelung von Wildlebensräumen durch menschliche Nutzung, der Neu- und Ausbau von Verkehrswegen, die Zunahme des Straßenverkehrs und hohe Fahrgeschwindigkeiten", so der Landesrat.

In Kürze werden 132 steirische Jagdreviere bearbeitet und über 21.500 moderne Wildwarnreflektoren sowie andere Präventionsmaßnahmen angekauft und an die Jagden bzw. Straßenmeistereien verteilt. Mit diesen Maßnahmen werden etwa 295 km Landes- und 20 km Gemeindestraßen abgesichert. Zum Einsatz kommen neben neuesten optischen und akustischen Wildwarnreflektoren auch Duftstoffe und ökologische Begleitmaßnahmen.

Mittlerweile sind erste Erfolge in der Wildunfallvermeidung deutlich sichtbar. Seit den ersten Gerätemontagen wurden auf ausgerüsteten Strecken durchschnittliche Rückgänge der Unfälle mit Rehwild von 25% bis zu 66% (je nach eingesetzter Maßnahme) im Vergleich zu den Vorjahren verzeichnet.

Die neuesten, wissenschaftlich belegten Daten und Fakten des ersten Zwischenberichts:

B70 - Packer Straße (km 21,9 - 24,6: Länge 2,7 km): Ausgangslage (2010-2014) 15 Reh- und Wildunfälle in der Nacht pro Jahr (RWU/a) Tendenz steigend. Lage heute nach allen Maßnahmen: 6 RWU/a/Nacht, Minus 60 Prozent.
L219 - Kölldorferstraße (km 4,1 - 5.9: Länge 1,8 km): Ausgangslage (2013-2016) 8 RW/a/Nacht Tendenz gleichbleibend. 10/2017 - 09/2018: 1 RWU/a/Nacht, Minus 87 Prozent.
B69 - Südsteirische Grenzstraße (km 38,8 - 43,1: Länge 4,3 km): Ausgangslage (2013-2016) 12 RWU/a/Nacht Tendenz steigend. 2017 plus 1.HJ 2018: 4 RWU/a/Nacht, Minus 66 Prozent.
B75 -Glattjoch Straße (km 4,0 - 4.6: Länge 0,6 km): Ausgangslage (2013-2016) 5 RWU/a/Nacht Tendenz gleichbleibend. 10/2017 - 09/2018: 0 RWU/a/Nacht, Minus 100 Prozent.
L515 - Gaalerstraße (km 1,8 - 2,4 (1) + 2,4 - 4,0 (2). Länge: 0,6 km (1) und 1,6 km (2): Ausgangslage (2013-2016) 14 RWU/a/Nacht Tendenz steigend. 2017 + 1. HJ 2018: 4 RWU/a/Nacht, Minus 73 Prozent.

Bemessen an Rehwild-Nachtunfällen wurden bisher im Projekt „Wildtierschutz und Verkehrssicherheit Steiermark" folgende Ergebnisse erreicht:

1) Streckenausrüstung mit optischen Wildwarnreflektoren ≥ 0,5 km Länge

eine durchschnittliche Reduktion der Wildunfälle um 40%, bei

2) Streckenausrüstung mit optisch/akustischer Ausrüstung ≥ 0,5 km Länge

eine durchschnittliche Reduktion der Wildunfälle um 70%, und bei

3) Streckenausrüstung mit olfaktorischer Vergrämung ≥ 0,1 km Länge

eine durchschnittliche Reduktion der Wildunfälle um 92%

(diese Maßnahme ist nur selten anwendbar)

Anton Lang, Landesrat für Verkehr und Tierschutz

 „Als für den Tierschutz und für den Verkehr zuständiger Landesrat war ich schon von Anfang an vom Projekt `Wildtierschutz und Verkehrssicherheit´ und dessen Wichtigkeit überzeugt. Denn es geht hier nicht nur darum, Wildunfälle und Tierleid zu verhindern, sondern auch darum, die Sicherheit von Mensch und Tier nachhaltig zu erhöhen. Dass sich die Unfälle so deutlich reduziert haben, erfüllt mich wirklich mit großer Freude und bestätigt die Sinnhaftigkeit der eingeleiteten Maßnahmen. Mein großer Dank gilt daher allen Projektpartnern und auch all jenen, die operativ und sehr oft auch unentgeltlich für die Sicherheit von Mensch und Tier eintreten."

Barbara Fiala-Köck, Tierschutzombudsfrau

„Das Projekt ‚Wildtierschutz und Verkehrssicherheit‘ wurde von der TSO initiiert. In enger Kooperation zwischen Land Steiermark, Steirischer Landesjägerschaft und Universität für Bodenkultur handelt es sich insbesondere aus Tierschutzsicht um ein Vorzeigeprojekt, das nicht zuletzt durch maßgebliche Finanzierung der für Tierschutz zuständigen Abteilung des Landes ermöglicht wurde. Auf Österreichs Straßen sterben jährlich fast 100.000 Wildtiere durch Wildunfälle, auf steirischen Landes- und Gemeindestraßen gibt es jährlich mehr als 7000 Unfälle mit Rehen. Diese Unfälle führen zu schweren Sach-und Personenschäden, zum Verlust von geschützten Wildarten und zu schwerem unnötigen Tierleid. Sehr häufig müssen verletzte Wildtiere erst durch Jagdausübungsberechtigte von ihren Qualen erlöst werden. Seit den ersten Gerätemontagen konnten auf den entsprechend ausgerüsteten Strecken durchschnittliche Rückgänge der Unfälle mit Rehwild von 25 % bis zu 66 % im Vergleich zu den Vorjahren verzeichnet werden. Praxistaugliche Lösungen zur Reduktion der Wildunfallzahlen sollen langfristig zu einer Erhöhung der Verkehrssicherheit für Mensch und Tier und zu einer Reduktion von unnötigem Tierleid führen."

Wolfgang Steiner, Projektleiter, BOKU Wien

„Das Projekt ,Wildtierschutz und Verkehrssicherheit Steiermark' ist einzigartig - nicht nur in Österreich sondern sogar weltweit. Nirgendwo sonst gibt es eine derartige Kooperation zwischen Politik, Verwaltung, Jagd und Tierschutz unter wissenschaftlicher Projektleitung. Die Ergebnisse des Projektes stützen unsere Anstrengungen - gemeinsam schaffen wir es die steirischen Straßen sicherer für Mensch und Tier zu machen und gleichzeitig einen wertvollen Beitrag zum Tierschutz zu leisten."

Franz Mayr-Melnhof-Saurau, Landesjägermeister

„Für uns Menschen sind Straßen wichtige Verbindungswege, die Mobilität ermöglichen. Für unsere Wildtiere sind diese Straßen eine Durchschneidung ihrer Lebensräume mit hohem Gefahrenpotential. Unser Leitspruch ,Natur verpflichtet' signalisiert, dass die steirischen Jägerinnen und Jäger sich selbstverständlich in den Dienst dieser Natur stellen und durch das Aufzeigen der besonders gefährlichen Strecken und die laufende Beobachtung der Wirksamkeit von Maßnahmen wesentlicher Teil dieses Projektes sind. Zugleich stellen die steirischen Jäger rund um die Uhr ihre bestens ausgebildeten Jagdhunde zur Verfügung, um nach einem Verkehrsunfall verletzt geflüchtete Wildtiere möglichst rasch zu finden und so Tierleid zu verhindern. Ich bedanke mich daher nicht nur bei unseren Projektpartnern für die gute Zusammenarbeit, sondern ganz besonders bei unseren Hundeführern, die diese Leistung in ihrer Freizeit und unentgeltlich erbringen!"

Franz Zenz, Fachabteilungsleiter Straßenerhaltungsdienst

„Die Hebung der Verkehrssicherheit auf den steirischen Landesstraßen stellt eine wesentliche Aufgabe für den Straßenerhaltungsdienst dar. Es ist für mich daher besonders erfreulich, dass unser seit 2014 laufendes, gemeinsames Projekt Früchte trägt und es nachweislich zu einer bedeutenden Reduktion der Wildunfälle in den geschützten Bereichen gekommen ist. Sehr gerne werden wir daher diese Kooperation weiter fortsetzen und unterstützen."

3. Oktober 2018

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